Die Städte in den Medien – Schutz des Trinkwassers
Die Gewährleistung einer ausreichenden Wasserqualität ist für viele Städte und Gemeinden aufwendiger geworden. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (Chlorothalonil) führten dazu, dass in Sursee die regionale Wasserversorgung acht Werke ausser Betrieb nehmen musste und die Versorgung teilweise über Wasser aus dem Sempachersee und aus Emmen erfolgt (Beobachter, 13.4.2026). In Lausanne beschäftigt die Aufbereitung von Seewasser im Hinblick auf industrielle Stoffe wie 1,2,4-Triazol die Behörden, was zu juristischen Auseinandersetzungen mit Verursachern führte (Beobachter, 13.4.2026). Auch alltägliche Mikroverunreinigungen belasten das Wasser. So investiert Rapperswil-Jona 14,5 Millionen Franken in eine zusätzliche Reinigungsstufe für die Abwasserreinigungsanlage (ARA), um Rückstände von Medikamenten oder Kosmetika effektiver zu entfernen (Sudostschweiz/Linth-Zeitung, 13.3.2026). Dass moderne Verfahren wirksam sind, zeigt ein Projekt in Lausanne, bei dem rund 95 % des Mikroplastiks aus dem Seewasser gefiltert werden können. Die Stadt plant zudem ein neues Labor, um diese Überwachung mit Hochtechnologie weiter zu verstärken (La Côte, 19.2.2026). Trotz technischer Fortschritte bleibt jedoch die Belastung durch Abfälle im öffentlichen Raum eine Herausforderung. In Buchs SG wird auf die Auswirkungen von Littering hingewiesen: Zigarettenstummel belasten das Grundwasser. Ein einzelner Stummel verunreinigt bis zu 40 Liter Wasser (Der Rheintaler, 13.3.2026).
Neben der Qualität ist die Verfügbarkeit ein zentraler Aspekt der Planung. Um die Versorgungssicherheit auch in längeren, durch den Klimawandel bedingten Trockenperioden zu stärken, prüft die Stadt Kriens derzeit durch Sondierbohrungen die Erschliessung einer zusätzlichen Grundwasserfassung (Watson, 14.04.2026). Einen anderen Weg zur Ressourcenschonung geht Yverdon-les-Bains: Dort wird gereinigtes Abwasser für die Bewässerung von Grünflächen wiederverwendet, wodurch der Bedarf an Trinkwasser um etwa 90 % gesenkt werden konnte (Le Temps, 4.4.2026). Ein weiteres Beispiel für die effektivere Nutzung des Wassers: Die Stadt St.Gallen ist aufgrund ihrer Topografie überdurchschnittlich von Oberflächenabfluss betroffen und will Regenwasser im Sinne der Schwammstadt verstärkt lokal zurückhalten. Dies entlastet die Kanalisation bei Starkregen und trägt durch Verdunstung zur Kühlung des Stadtklimas bei. Die Stadt hat hierfür als erste in der Schweiz einen speziellen Förderfonds eingerichtet (St.Galler Tagblatt 21.3.2026).
Kommentar: Fred Rohrer, Stadtrat Buchs SG; Ressort Klima, Umwelt und Natur
Je nach geographischer Lage sind die Städte bezüglich Trinkwasserversorgung unterschiedlich gut aufgestellt: Die Abhängigkeit von Quell-, Grund- oder Seewasser und die Sicherung von Qualität und Verfügbarkeit können unterschiedlicher kaum sein.
Was aufgrund des Kreislaufs von grünem zu blauem Wasser aber alle betrifft, sind gewisse Belastungen, meist durch menschliches Tun verursacht. Mit grossem Aufwand werden so weit es geht alle möglichen Substanzen aus dem Wasser entfernt – obwohl es prinzipiell viel einfacher wäre, deren Nutzung derart einzuschränken, dass sie schon gar nicht mehr ins Wasser (oder überhaupt in die Mitwelt) gelangen könnten. Denn schon die bisher eingebrachten neuartigen Substanzen im Sinne des Respekts der planetaren Grenzen, wie z.B. PFAS, werden uns noch genügend beschäftigen. Was fehlt, sind einerseits griffige Regulierungen bezüglich neuartiger Substanzen, basierend auf dem Vorsorgeprinzip, und andererseits gesetzliche Grundlagen, um Umweltdelikte, insbesondere das Wasser betreffend, angemessen zu ahnden. Damit die Städte ihre Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser versorgen können, sind sie daher darauf angewiesen, dass Bund und Kantone sich den Wasserschutz zu Herzen nehmen.
Disclaimer: Mit dem Format «Städte in den Medien» greift der Städteverband ein für die Städte relevantes Thema auf, das die Medien in den letzten Wochen vermehrt behandelten. Der Zusammenfassung liegen die Medienbeiträge in der SSV-Presseschau zugrunde. Eine Stimme aus dem Verband ordnet aus der eigenen Warte ein. Der spezifische Kommentar muss nicht der konsolidierten Verbandsposition entsprechen.
